Der Fußball als Eisbrecher
Geschrieben am 30.07.09 um 00:00: GMT von Abywn - admin
Der Fußball als Eisbrecher
Ausgabe vom 30. Juli 2009

Der Fußball als Eisbrecher

  • Sozialprojekt „Alem Brasil”
  • Siegen, 30.07.2009, Gregor Wallach

    Foto: Markus Lienhard: Teresa Lienhard versuchte, mit ihrem Englischunterrricht in Brasilien Lücken in der Schulbildung zu schließen.

    Seit knapp zwei Wochen sammeln 14 junge Menschen fleißig Sympathiepunkte im Siegerland. Sie sind aufgewachsen in den Elendsvierteln Sao Paulos und unterstützen die Arbeit des Sozialprojekts „Alem Brasil”, von dem sie einst selbst profitierten.

    Initiiert wurde das Projekt 2002 von Markus und Teresa Lienhard, zwei Jahre später wurde „Alem Brasil” als eingetragener Verein auf feste Füße gestellt. „Wir wollten den Kindern und Jugendlichen in Sao Paulo Freizeitangebote bieten, sie von der Straße holen und präventiv arbeiten”, erläutert Pastor Markus Lienhard. Was lag da näher, als im fußballverrückten Brasilien über den Sport Kontakte zu knüpfen. Die Lienhards hoben eine Fußballschule aus der Taufe. „Das war eine echte Marktlücke, wir hatten großen Zuspruch”, so Markus Lienhard.

    Bildungsarbeit auch in der Justizvollzugsanstalt
    Das kostenlose Angebot beschränkte sich nicht nur auf Fußballtraining, großer Beliebtheit erfreuten sich auch die Englischkurse der gelernten Übersetzerin Teresa Lienhard. „Wir haben versucht, die schlechte Schulbildung etwas zu kompensieren”, sagt Markus Lienhard: „Unser Traum ist, dass Teilnehmer unserer Kurse mal in einem der vielen internationalen Großkonzerne vor Ort Fuß fassen.” Noch habe das nicht geklappt, aber viele seien mittlerweile immerhin „mit sehr guten Englischkenntnissen” ausgestattet. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts sei die Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen, sagt Markus Lienhard: „Viele Kinder wachsen ohne Vater auf, so dass wir viel mit den Kindern reden und ihnen Lebenshilfen vermitteln. Immer sprechen wir auch über christliche Werte.”

    Auch in der Justizvollzugsanstalt in Sao Paulo leisteten die Lienhards Bildungsarbeit. „Mehr als 50 Prozent der jungen Insassen dort waren Mörder”, so Lienhard, der hofft, mit den Angeboten „eine gute Basis für die Zukunft” der Insassen gelegt zu haben.


    Vor einem Jahr mussten die Lienhards aus gesundheitlichen Gründen ihre Zelte in Brasilien abbrechen, „Alem Brasil” ist dadurch jedoch keineswegs gefährdet. „Ich betreue das Projekt per E-Mail und bin jedes Jahr für einige Wochen vor Ort”, so Markus Lienhard. „Außerdem haben wir zahlreiche Freunde gewonnen, die das Projekt vor Ort weiterführen. Darüber sind wir sehr glücklich.”

    Zu diesen Freunden zählen auch viele ehemalige Schüler. Gleich sechs davon gehören zu der 14-köpfigen Gruppe, die gerade in Deutschland zu Gast ist. „Die Jungs sind im Projekt groß geworden und es ist schön zu sehen, wie sie die Leute in Deutschland mit ihrer Höflichkeit begeistern”, so Markus Lienhard stolz. Mit ihrem sympathischen Auftreten präsentieren sich die Brasilianer als ideale Werbeträger für das Projekt und begeistern wie zuletzt bei der einwöchigen Fußballschule in Gernsdorf. „Die Kinder hatten viel Spaß”, versichert Markus Lienhard.

    Die Brasilianer sind erstmals in Europa und hätten ohne „Alem Brasil” von solch einer Reise nur träumen können. „Ein Flugticket kostet 800 Euro. Das entspricht vier bis fünf Monatsgehältern”, rechnet Markus Lienhard vor. Vor drei Jahren besuchte erstmals eine Gruppe aus Brasilien das Siegerland, häufiger sei dies aus finanziellen Gründen nicht möglich.


    Torwand-WM als krönender Abschluss

    Lienhard zieht nach der ersten Hälfte des Aufenthalts ein positives Zwischenfazit: „Wir haben viele Kontakte knüpfen können, auch über den Fußball hinaus.” Der Pastor hofft vor allem, einige Geschäftsleute als kontinuierliche Unterstützer gewonnen zu haben. Eine große Hilfe waren die Siegerländer Henning Heimann und Karl Steiner. Beide stellten wichtige Kontakte her, Heimann beherbergte die brasilianischen Gäste sogar während ihres Aufenthalts im Siegerland. Dieses werden sie am Freitag wieder verlassen und bis zum 16. August unter anderem noch in Aachen, Herne und Duisburg vorbeischauen. Den krönenden Abschluss soll die Teilnahme an der Torwand-Weltmeisterschaft in Duisburg bilden.

    Weitere Infos zum Projekt „Alem Brasil” gibt es im Internet unter www.diadema.de.


    TORWAND WM


    WM vor großer Kulisse
    Die Torwand-WM wird am 15. und 16. August im Rahmen der Duisburger Energiespaßtage der Stadtwerke Duisburg auf dem Betriebsgelände in der Bungertstraße 27 ausgetragen. Es werden 50 000 Besucher erwartet.

    In fünf Kategorien werden die besten weiblichen und männlichen Schützen gesucht. Teilnehmen können Kinder ab fünf Jahren.

    Der Torwand-Weltmeister wird am 22. August im traditionellen Torwand-Wettstreit des ZDF-Sportstudios gegen den prominenten Gast antreten.

    Die Schirmherrschaft der Torwand-WM hat Ingo Anderbrügge übernommen. Der ehemalige Bundesliga-Profi gewann 1997 den UEFA-Cup mit dem FC Schalke 04 und beendete vor acht Jahren bei den Sportfreunden Siegen seine Spielerkarriere. Heute leitet Anderbrügge ein Fußballinternet und unterstützt die Kampagne „respect!” des Westdeutschen Fußballverbandes, die sich für Toleranz und gegenseitige Achtung von Fußballern einsetzt.

    Organisiert wird die WM von der Agentur „emc eich-marketing-consulting” des Siegeners Christoph Eich.

    Im Anschluss an die WM wird die von zahlreichen Prominenten signierte WM-Torwand zugunsten von „Alem Brasil” im Internet unter „www.torwand-wm.info” versteigert.

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